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Bürgergeld – Lohnt sich Arbeiten noch?

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Bürgergeld - Lohnt sich Arbeiten noch?

Geht es um die Einführung des neuen Bürgergeldes, könnte die Diskussion in Deutschland kaum kontroverser sein. Eine besonders heiß diskutierte Frage lautet dabei: Lohnt sich Arbeit mit dem neuen Bürgergeld überhaupt noch? Pauschal gibt es hier natürlich keine Antwort. Stattdessen sollte das Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.

Wie hoch fällt das neue Bürgergeld aus?

Auf den ersten Blick erweist sich das ab dem 1. Januar in Kraft tretende Bürgergeld als deutlich höher, im Vergleich zum aktuell noch bestehenden Hartz IV. Hier darf man aber die Inflation nicht vernachlässigen, welche in den letzten Monaten deutlich angestiegen ist. Zudem sind permanent steigende Kosten in Bezug auf Lebensmittel und Energie zu verzeichnen. Das bedeutet schlussendlich, dass die meisten Empfänger:innen der neuen Grundsicherung, im Portemonnaie kein Plus zu verzeichnen haben werden. Zwar steigt der Regelsatz von knapp 449 auf 502 EUR pro Monat für einen Erwachsenen an, jedoch dürfte die allgemeine Kostensteigerung dafür sorgen, dass niemand von dieser Erhöhung profitiert.

Allerdings bringt das Bürgergeld tatsächlich einen signifikanten Vorteil mit sich: Die Grenze für Ersparnisse wird damit angehoben und in den ersten zwei Jahren wird auf die Bedarfsprüfung verzichtet. Das bedeutet für die Empfänger:innen des Bürgergeldes, dass diese zwei Jahre lang in ihren Wohnräumen bleiben dürfen, ohne dass eine Prüfung stattfindet, ob der Wohnraum angemessen ist oder nicht. Allerdings gilt es an dieser Stelle genau abzuwägen. Schließlich sind Sozialwohnungen rar gesät und Hartz-IV-Empfänger sind bei der Suche nach einem passenden Mietobjekt häufig außen vor.

Studien belegen: arbeiten lohnt sich weiterhin

Unabhängig von der kontroversen Diskussion die in Deutschland entfacht wurde, kann niemand ambitioniert sein, dauerhaft die Grundsicherung zu beziehen. Das betrifft vor allem jüngere Menschen, die eher geneigt sind einer lohnenden Beschäftigung nachzugehen, statt ein dauerhafter Leistungsbezieher zu sein. Darüber hinaus geht aus zahlreichen Studien hervor, dass in der arbeitenden Bevölkerung noch immer höhere Nettolöhne bezogen werden, als es der Regelsatz des Bürgergeldes hergibt.

Selbst unter Berücksichtigung der Miet- und Heizkostenzuschüsse lässt sich sagen: Arbeiten lohnt sich nach wie vor. Das Bürgergeld wird wohl auch kaum jemanden dazu veranlassen, sein bestehendes Arbeitsverhältnis zu kündigen, um sich zu Hause auf die faule Haut zu legen. Zumal ein regelmäßiges Einkommen Freiheit und Unabhängigkeit mit sich bringt. Außerdem ist an dieser Stelle zu berücksichtigen, dass das Bürgergeld nur gewährt wird, nachdem eine genaue Prüfung durchgeführt wurde. Und wer legt schon gern all seine Finanzen offen, um diese bis ins kleinste Detail überprüfen zu lassen?

Auf die Betrachtung kommt es an

Unabhängig von durchgeführten Studien, muss die Einführung des Bürgergeldes abgewartet werden, um letztendlich sagen zu können, ob sich Arbeit noch lohnt. Denn die Antwort auf diese Frage hängt von vielen verschiedenen Kriterien ab. Gegenüber dem Bürgergeld lohnt sich Arbeit faktisch gesehen, noch immer. Allerdings spiet hier auch die Sichtweise eine entscheidende Rolle. So könnte befürchtet werden, dass das Bürgergeld den Verzicht auf Arbeit deutlich attraktiver macht und die Grenzen zwischen der Grundsicherung und regulärer Arbeit immer weiter verschwimmen. Dabei handelt es sich um einen durchaus berechtigten Aspekt, welcher jedoch die Frage aufwirft, ob die Grenze zwischen sozialen Leistungen und Arbeit überhaupt klarer abgesteckt werden kann. Hier könnte man im Allgemeinen die Politik in der Verantwortung sehen. Arbeit ist schließlich nur dann attraktiv, wenn sich diese auch wirklich lohnt. Politiker sollten hier stärker gefordert sein, denn für eine klare Abgrenzung könnten höhere Löhne der Schlüssel sein. Immerhin hat auch ein Teil der arbeitenden Bevölkerung trotz regelmäßigem Einkommen, mit Armut zu kämpfen.

Abschließend lässt sich sagen, dass es auf die Frage ob sich Arbeit noch lohnt, keine allgemeingültige Antwort geben kann, da es letztendlich auf die jeweilige Sichtweise ankommt. Grundsätzlich ist es nur schwer vorstellbar, dass es Menschen geben kann, die sich freiwillig vom Staat und dessen gewährten Leistungen abhängig machen wollen. Nicht zu vergessen ist hier der Umstand, dass zahlreiche Menschen im Zuge der Pandemie völlig unverschuldet abgerutscht und nun der sozialen Abhängigkeit verschrieben sind. Deshalb ist es wichtig, dass die Fakten ganz genau geprüft werden, um individuell entscheiden zu können. Vielleicht könnte ein Zitat von Paul Claudel, einem französischen Schriftsteller die Kritiker zum Um- beziehungsweise Neudenken animieren: „Die Wahrheit hat nichts mit der Zahl der Leute zu tun, die von ihr überzeugt sind.“

Lohnt es sich noch zu arbeiten?

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